Die Mitmach-Offensive für den Naturschutz

Liebe Leserinnen und Leser!
Gestern war ich im Natur- und Sternenpark Westhavelland rund um das brandenburgische Rathenow unterwegs, um für einen neuen Blick auf Naturschutz zu werben. Dort, entlang der Havel, kann man schon heute das beobachten, was mein Bundestagskollege Jan-Niclas Gesenhues und ich in unserem Autorenpapier “offensiven Mitmach-Naturschutz” nennen. Ein Naturschutz, nicht in der Nische, sondern in der Fläche.
Doch warum braucht es ein Neustart beim Naturschutz?
In den letzten Jahren waren die ökologischen Debatten zunehmend von Klima- und Energiepolitik dominiert, Umwelt- und Naturschutz kamen oft zu kurz. Das Zerrbild des Naturschützers als miesepetriger Verhinderer, der noch die letzte unbekannte Art als bedroht vermutet und mit Klagen alle Prozesse blockiert, ist Teil des anti-ökologischen Kulturkampfes geworden.
Das wollen wir ändern und Naturschutz wieder ins Zentrum der politischen Debatte holen: mit einer Politik, die Neues schafft, Verbündete gewinnt und Lust aufs Mitmachen macht. Uns geht es um eine echte Mitmach-Ökologie, die Menschen aktiviert und ihnen Momente von Selbstwirksamkeit ermöglicht.
Angesichts des Zustandes unserer Lebensräume, auch der geschützten Lebensräume, braucht es jetzt ein Update des Natur- und Biodiversitätsschutzes: Raus aus der Nische und rein in die Fläche.
Es geht nicht (nur) ums Bäumeschmusen
Ein weiteres, diesmal von Markus Söder sehr geliebtes Zerrbild des Bäumeschmusers, war bei meinem Besuch im Westhavelland nicht auffindbar. Stattdessen haben wir mit dem Präsidenten des Naturschutzbundes NABU, Jörg-Andreas Krüger, den Altarmanschluss in der Schliepenlanke in Rathenow angeschaut, wo 10 Jahre nach dem Wiederanschluss an den Hauptstrom ein Naturparadies samt Auenwald entstanden ist.
Danach waren wir mit den Bauern im Westhavelland auf ihren Flächen unterwegs und haben die genossenschaftlich betriebene Biogasanlage besichtigt. Sie bewirtschaften dort mit großem Stolz und Einsatz geschützte Moore, also besonders sensible Bereiche. Sie zeigen: landwirtschaftliche Nutzung, Naturschutz und Erneuerbare Energien können Hand in Hand gehen.
Die drei Säulen unserer Mitmach-Offensive für den Naturschutz
Diese Momente im Westhavelland stehen exemplarisch für die drei Säulen in unserer Mitmach-Offensive. Das ganze Papier kann hier gelesen und geteilt werden: https://www.gruene.de/artikel/mehr-schaffen
- Mit Naturschutz Neues schaffen statt nur Bestehendes verteidigen: Wir schlagen Eckpunkte für ein großes Beschleunigungsprogramm für den Naturschutz vor, die diesen auch in Planungsverfahren stärkt, Neues schafft und durch Standardisierung Verfahren im Sinne aller Beteiligten beschleunigt.
- Naturschutz als Kitt für den gesellschaftlichen Zusammenhalt: Wir wollen ein Naturschutzrecht, das einlädt, Natur zu erleben. Ob im Westhavelland oder im Berliner Tiergarten, Natur und Artenvielfalt muss sichtbar, erfahrbar und offen für alle sein.
- Naturschutz als innovatives Geschäftsmodell: Viele Unternehmen haben ihre Geschäftsmodelle längst von Naturwiederherstellung statt Naturzerstörung umgestellt. Renaturierung und nachhaltige Bewirtschaftung schaffen dabei nicht nur ökologische Werte, sondern auch Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung. Das wollen wir stärken.
Das ganze Papier mit allen Details zu unserer Mitmach-Offensive für den Naturschutz findet ihr hier: https://www.gruene.de/artikel/mehr-schaffen
Teilt auch gerne mein Video dazu auf Instagram, hier.
Wir sind überzeugt: So bekommen wir den Naturschutz raus aus der Nische, raus aus dem Kulturkampf und rein in die Fläche. Mitmach-Ökologie ist Naturschutz mit Schaffensmodus statt nur Verhinderung, Natur als Kitt für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Naturschutz als Chance für Unternehmen.
Herzliche Grüße,
Felix Banaszak