Recht haben reicht nicht: Warum ich darüber ein Buch geschrieben habe

Liebe Freundinnen und Freunde!
Bedrückend viele Menschen haben das Vertrauen in „die Politik“ verloren. Sie erleben sich selbst als ohnmächtig und den Staat als gleichermaßen handlungsunfähig wie übergriffig. Der politische Betrieb hat sich von ihrem Alltag entkoppelt – in der Sprache, in den Themen, in den Ritualen. Wut hat sich angestaut, nun brechen die Dämme. Wie in aller Welt konnte demokratische, progressive, ökologische Politik so sehr in die Defensive geraten – und wie kommt sie da wieder heraus? Wer den tiefen, den unfassbar tiefen Vertrauensverlust überwinden will, muss ihn einmal ganz nah an sich heranlassen. Das habe ich getan, nicht nur aber auch beim Besuch im Wahlkampf des designierten demokratischen Senators von Texas, James Talarico – und dabei viel gelernt.
Ja, ich habe ein Buch geschrieben, und nein, das war nicht auf meiner Liste. Als mich die Anfrage erreicht hat, letztes Jahr im Sommer, habe ich erst abgewunken – ja, schöne Idee, aber leider keine Zeit, es ist ja so viel zu tun, der politische Betrieb verschlingt mich doch genug. Dann kam mir der Gedanke, dass vielleicht genau das das Problem ist. Dass die Rituale und Dynamiken, die einen verschlingen und vom langfristigen Denken, vom echten Zuhören und Entwickeln von Ideen abhalten, nicht nur mir aufstoßen, sondern vermutlich auch vielen anderen.
Immer wieder habe ich in den letzten Jahren laut nachgedacht – hier ein Interview zu Sicherheit, dort ein Blogbeitrag zum Klimaschutz, und immer wieder: Sprache, Haltung, politische Praxis. Bislang sind es unverbundene Fragmente. „Recht haben reicht nicht“, so heißt mein Buch, will das jetzt zusammenbinden.
Über ein halbes Jahr habe ich geschrieben, parallel zu den intensivsten Wahlkämpfen meines bisherigen Lebens. Die Geschichten und Ideen speisen sich nicht aus Theoriedebatten, sondern aus meinem Leben, meinen Erfahrungen, meinen Begegnungen. Es ist ein Buch über mein Aufwachsen im Ruhrgebiet, tief im Westen, und mein Ankommen im Osten. Über den Wert von Arbeit und Industrie und über die Erfahrung von Verlust von Halt und Bindung. Über Sanftmut und Zärtlichkeit, Augenhöhe und Anstand. Über gebrochene Versprechen, Ver-un-sicherungen und Ohnmacht – und den überall ausbrechenden Erneuerungswillen, den es jetzt braucht, um sie zu überwinden. Es ist ein Buch der unbedingten Hoffnung, ein Appell gegen jeden Fatalismus, eine Anleitung für Wirksamkeit.
Ich bin, das will ich zugeben, etwas aufgeregt. Letzte Woche habe ich meinem Verlag Droemer Knaur das Manuskript geschickt, jetzt sitzen die Jurist*innen und Layouter dran. Am 1. März 2027 erscheint es, dann gehe ich auch auf Lesereise – zurück an die Orte des Entstehens und überall dahin, wo Menschen mit mir ins Gespräch kommen wollen. Ab heute könnt ihr es hier vorbestellen – und ich würde mich riesig darüber freuen.
Herzliche Grüße,
Felix Banaszak