Was in meinem Playboy-Interview steht

Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Der Trend ist überall der Gleiche: Immer mehr junge Männer wählen rechtsextreme Parteien. Mir macht das große Sorgen. Nicht nur, weil ich natürlich gerne hätte, dass diese Männer ihr Kreuz bei uns Grünen machen. Sondern vor allem, weil hier eine ganze Generation junger Männer droht, in den Abgrund aus Ressentiments, Frauenfeindlichkeit, Gewalt und Unterdrückung zu rutschen.
Jetzt könnte ich natürlich mit der taz oder der Süddeutschen Zeitung ein langes Gespräch über progressive Männlichkeitsbilder führen. Und damit auch wirklich sicher gehen, dass es nur wenige von den (jungen) Männern erreicht, die ich erreichen möchte.
Deswegen habe dem Playboy ein Interview gegeben – nicht als ironischer Tabubruch, sondern als strategische Entscheidung. Wenn wir wollen, dass die Debatten dort geführt werden, wo sie geführt werden müssen, müssen auch wir bereit sein, unsere Komfortzonen zu verlassen. Ein Interview „zwischen Busen und Bunnys“, wie die BILD es beschreibt, ist auch für mich: gewöhnungsbedürftig. Aber es ist nötig. Und nicht nur das, ich war und werde Gast in vielen anderen Formaten sein, vom Podcast zum Twitch-Stream, wo Grüne sich normalerweise nicht hin trauen. Wir dürfen die jungen Männer weder Maximilian Krah noch Andrew Tate überlassen.
Ich kann Euch hier im Newsletter nicht das ganze Interview schicken. Dazu müsst ihr den Playboy kaufen. Aber ich möchte mit Euch hier drei zentrale Zitate teilen, die klar machen, worum es geht:
- „Du kannst im Fitnessstudio pumpen gehen oder dir die Fingernägel lackieren. Von mir aus geh mit lackierten Fingernägeln pumpen. Du kannst Lastenrad fahren oder BMW X3. Alles fein, der zentrale Punkt ist doch: Sei kein Arschloch!“
- “Rechtsautoritäre machen gezielt jungen Männern ein Angebot, das auf den ersten Blick attraktiv klingt: „Hier kannst du Mann sein, hier kannst du sein, wie du bist, dann kriegst du auch eine Freundin.“ Dahinter steckt am Ende ein Frauenbild, das auf Unterwerfung beruht – und im Zweifel in Gewalt endet. Wenn wir die Statistiken sehen, wie viele Frauen von ihren Partnern oder Ex-Partnern umgebracht werden, wie viele Frauen noch immer häusliche und sexuelle Gewalt erfahren, dann ist es zu einfach zu sagen, damit haben wir nichts zu tun. Ich empfinde es allerdings nicht als unzumutbare Belastung, mich mit meiner Rolle als Mann und meinen Privilegien kritisch auseinanderzusetzen. Die Selbstbestimmung von Frauen zu respektieren, ist dabei die Basis. Und „Sei kein Arschloch“ ist dafür schon mal ein ganz guter Start.”
- “Bei allem Verständnis, aber das Patriarchat ist ja nicht verschwunden – weder im Alltag noch in der Politik. (…) Aber es stimmt, junge Männer spüren in dieser Zeit der Krisen, Verunsicherungen und Existenzängste einen zunehmenden Druck, suchen verstärkt nach Orientierung. Die alten Rollenbilder wünscht sich niemand zurück, aber der Verlust ihrer Vormachtstellung ist real und vermutlich auch schmerzhaft. Ich habe Feminismus nie als Männerhass verstanden, sondern immer als das Streben nach Gleichberechtigung, nach Freiheit und Selbstbestimmung für alle Geschlechter. Ich glaube auch, dass Jungen und Männer in einer gleichberechtigten Gesellschaft ein glücklicheres Leben führen. Es tut gut, sich von einengenden Rollenerwartungen freimachen zu können. Meine Frage ist: Wie können wir als progressive, feministische Partei ein einladendes Identitäts- oder Rollenangebot machen?”
Das habe ich auch nochmal hier auf LinkedIn / Bluesky / Youtube in einem Video zusammengefasst.
Teilt das gerne mit anderen!
In den nächsten Wochen und Monaten werde ich an diesem Thema dranbleiben. Wenn Ihr dazu auf dem Laufenden bleiben wollt, abonniert gerne hier meine neue Rubrik im Newsletter.
Herzliche Grüße,
Ihr und Euer Felix Banaszak